Filmkritik Early Man – Steinzeit bereit: ‚Gut Kick‘ mit Knetfiguren

Filmkritik Early Man – Steinzeit bereit: ‚Gut Kick‘ mit Knetfiguren

In diesem Sommer herrscht wieder Ausnahmezustand in Deutschland: Es ist Fußball Weltmeisterschaft! Doch wusstet ihr eigentlich, dass das Spiel mit dem runden Leder bereits von den Steinzeitmenschen erfunden wurde? Glaubt ihr mir nicht? Dann ist es höchste Zeit, dass ihr mit euren Kids ins Kino strömt und euch den Animationsfilm „Early Man – Steinzeit bereit“ reinzieht. Ich durfte mir Early Man bereits in der Vorpremiere anschauen und gebe euch in einer kleinen aber feinen Filmkritik einen Eindruck davon, was euch erwartet.

Steinzeit vs. Bronzezeit – Das Knetduell

Animationsfilme gibt es ja mittlerweile wie Sand am Meer – meistens mit recht fragwürdiger Qualität. Early Man ist da anders, schließlich entstand er durch gute alte Handarbeit. Wie jetzt?! Ja, ihr habt richtig gelesen, denn das Abenteuer in der Steinzeit stammt von keinem Geringeren als Oskar-Preisträger Nick Park, dem Schöpfer von Shaun das Schaaf und Wallace and Gromit. Ihr ahnt es, Early Man ist ein Stop-Motion-Film, dessen Hauptfiguren aus Knete bestehen – nur eben als Höhlenmenschen in der Steinzeit statt als moderner Engländer im Tweed Jacket.


Und diese Steinzeitmenschen leben auf den ersten Blick in einer wahrhaftigen Idylle. Als schläfriger, leicht schräger Stamm zusammengewürfelter Charaktere genießen sie das Leben in einem grünen Tal, jagen Kaninchen und tanzen vergnügt um das allabendliche Festmahl. Doch der kleine Höhlenmensch Dug, der Hauptprotagonist des Films, sehnt sich nach mehr. Die ewig gleiche Routine des Kaninchenjagens schlägt ihm aufs Gemüt.

Er fühlt sich zu Größerem bestimmt, möchte die Welt erkunden – und wird unsanft dazu gezwungen, als der böse Scherge Lord Nooth mit seiner Armee aus Bronzemenschen in das Tal einmarschiert. Nooth hat es auf die Bodenschätze abgesehen, um mehr Bronze herzustellen, weiter im Luxus zu leben und sein exzessives Hobby als Fußballmanager von Real Bronze zu finanzieren.

Von nun an beginnt ein witziges Abenteuer, in dem Dug und sein Stamm versuchen müssen, das Tal wieder zurück zu erobern. Ganz im Zeichen der diesjährigen Fußball WM steht dabei das runde Leder auch in Early Man im Vordergrund. Denn Nooths Fußballleidenschaft lässt sich doch bestimmt ausnutzen, um ihn zu einer Wette um die Zukunft des Tals herauszufordern? Mehr möchte ich euch an dieser Stelle nicht verraten, denn auch wenn Early Man nicht die komplexeste Geschichte erzählt, so ist sie es dennoch wert, sich mit all ihrem Charme und ihren Nuancen selbst zu entfalten.

Early Man – Charaktere mit Charme und Witz

Was für mich wieder einmal gezündet hat, war der Humor. Klar, der Film ist auch für ein jüngeres Publikum geschaffen, dementsprechend findet sich der ein oder andere Furz-Witz darunter 😉 Doch Early Man bietet auch scharfsinnige Zoten und viel Liebe zum Detail, beispielsweise kleine Mini-Krokodile als Wäscheklammern oder einen Pulled Pork Stand, der „Jurassic Pork“ heißt. Anspielungen an die Moderne in Form von Real Bronze habt ihr ja schon weiter oben sehen können.


Auch die Charaktere haben wir wirklich gut gefallen. Dug ist ein junger Höhlenmenschen mit Hoffnungen und Träumen, ohne jedoch der „Aber, aber…“-Dauernerver zu sein, den viele Jugendfilme gerne kreieren. Die Kids im Saal konnten ihn direkt ins Herz schließen. Gleiches gilt für den schrulligen Stamm, sei es der wie ein Walross wirkende Dorfvater Bobnar über den leicht schizophrenen Dörfling Asbo mit einem Hinkelstein als Freund bis zum allesfressenden Freizeit-Kannibalen Thongo.

Bösewicht Nooth zündet ebenfalls, aufgrund seines wenig beängstigenden Aussehens jedoch nicht von Anfang an. Vielmehr wirkt er, als sei Eckhardt aus „Werner – Beinhart!“ entflohen, was er jedoch schnell durch seine Taten wettmacht. Dazu trägt auch Comedian Kaya Yanar bei, der ihm in der deutschen Fassung seine Stimme leiht. Als Promis ebenfalls an Bord sind Friedrich Mücke in der Rolle von Dug sowie Palina Rojinski als Dugs Sidekick Goona.

Early Man - Dug jagd mit dem Speer

Und wie sieht es mit der Qualität der Animationen aus? Klar, Stop-Motion ist nicht immer jedermanns Sache. Wer allerdings die Arbeit von Aardman kennt, der weiß, dass hier etwas richtig tolles geboten wird. Die Knetfiguren sehen bezaubernd aus und entfalten ihren ganz eigenen Charme. Oft habe ich dagesessen und mir gedacht, wie man bestimmt Szenen eigentlich technisch umgesetzt – oder wieviel verdammte Arbeit das gewesen sein muss, damit die Sequenzen so möglich waren. Auch die Umgebungen hat das Team grandios umgesetzt, von der romantischen Dschungellichtung über das vollgepackte Knetstadion bis hin zum vulkanspeienden Ödland.

Mein Fazit

Hat das Laune gemacht! Ich habe mich während Early Man richtig gut unterhalten gefühlt und war erstaunt, wie kurzweilig der Film war. Die Figuren und Animationen sind wie von den anderen Aardman-Werken zuvor gewohnt richtig gut gelungen und mal was anderes als der 3D-Einheitsbrei der letzten Jahre. Vor allem für die Kids im Publikum war es ein Erlebnis. Die Witze schienen gut zu zünden und natürlich hat auch der Fußballbezug zur Stimmung beigetragen. Wenn ihr also nach dem letztjährigen Weihnachtsmarathon einen Film sucht, um mit der Family mal wieder ins Kino zu pilgern, schaut euch doch den Trailer mal an und guckt, ob Early Man etwas für euch ist. Eine kleine Einstimmung auf die kommende WM gibts obendrein. „Early Man – Steinzeit bereit“ läuft ab dem 26. April deutschlandweit in den Kinos.

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