Die Papa Chroniken #1: Die Wurzel allen Übels

Die Papa Chroniken #1: Die Wurzel allen Übels

Disclaimer: Die folgenden Zeilen aus dem Alltag eines Papas sind nicht autobiografisch, haben sich aber bestimmt so oder so ähnlich zugetragen. Da nicht sprechende Babys in Geschichten ziemlich langweilig sind, sagt meine Tochter (alias Mini Me) in dieser Geschichte einfach das, was ich denke, dass sie sagen würde, wenn sie denn schon sprechen könnte. Alles klar?!

Wochenende! Ausschlafen, entspannen, sich von einer stressigen Woche erholen, abends feiern oder lecker essen gehen – waren das noch Zeiten! Als Eltern kommst Du da ja nicht mehr zu, da sorgt Mini Me schon für. Ob ich mir dessen bewusst bin und es vermisse? An schlechten Tagen, ja. An guten Tagen nicht. Und heute ist so ein guter Tag, an dem Frauchen neben Mini Me auf dem Bett liegt, sie anschaut und dieses unbändig glückliche Grinsen eines Honigkuchenpferdes auf dem Gesicht trägt. Außerdem ist heute Badetag.


Und baden mit Kindern, das macht richtig Laune. Da wird geplantscht, was das Zeug hält, in wohl temperiertem Quellwasser und dem richtigen Gefäß. „So, Du kommst jetzt in den Wäschekorb und dann waschen wir Dich mal ordentlich“, bereitet Frauchen unsere Kleine schon einmal gedanklich auf das Erlebnis vor. „Aber die Waschmaschine nur auf 30 Grad, sonst läuft sie uns wieder ein“, töne ich. „Sehr witzig“, schallt es zurück.

Unter dem wohligen Licht der Wärmelampe schäle ich Mini Me aus ihren 12 Zwiebel-Schichten an Bodys, Stramplern, Socken und Übersocken (-12 Grad lassen grüßen), um sie ins von Mama perfekt auf das Grad genau vorgeheizte Nass herabzusenken. „Nicht schon wieder die Fische“, grunzt mich Mini Me an, „da lässt Du aber diesmal die Finger von, ja?!“ Die Fische, das sind Hainrich und Kunibert, zwei Gumispielzeuge in der Form eines Kugelfisches (Kunibert) und eines Haies (Hainrich) mit denen mir, zugegebenermaßen, in der vergangenen Woche ein kleines Maleur passiert ist.

Während Mama sich nämlich beim Yoga erholte und Papa ein wenig Quality Time mit der Kleinen verbringen durfte, nahm ich Mini Me mit zum Zähneputzen. Auf ihrer Lieblingsdecke durfte sie zugucken, wie sich Papa mit der elektrischen Zahnfräse die Zähne polierte. „Ein bisschen Bespaßung kann ja nicht schaden“, dachte ich mir und schnappte mir Kunibert. In der festen Überzeugung, wenn man auf das kleine Gummiviech drücke, würde es bestimmt quietschen, richtete ich es auf Mini Me. „Guck maaal“, gluckste ich fröhlich – und sah zu wie sich ein Strahl Wasser über meine Tochter ergoss. Nein, Kunibert war nicht zum quietschen geeignet, sondern ein Spritzfisch für Kinder. „Danke, hat Mama mir eben erst frisch angezogen“, tönte es von der Kuscheldecke. „Denk Dir schon mal ne Ausrede aus.“

Badefische

Das ist ein Schlafanzug, keine Zwangsjacke!

Zurück in der Gegenwart. „Die Fische lässt Du danach bitte liegen“, gab mir Frauchen zu verstehen, dass sie Männchens Kunibert-Story noch gut in Erinnerung hatte. „Wird gemacht“, meldete ich gehorsamst und begann Mini Me für die allwöchentliche Badezeremonie ins Wasser herab zu lassen. Der nicht ganz so tiefe Wäschekorb ist zwar eine echte Herausforderung, allerdings ist sie für den Badeeimer mittlerweile schon fast zu groß. Das letzte Mal hat sie uns als kleine Vorwarnung erst einmal nur das halbe Kinderzimmer unter Wasser gesetzt. „Hat Spaß gemacht, macht den Eimer nächstes Mal gerne noch voller.“

Mit dem Korb in der Wanne ging es diesmal halbwegs trocken zur Sache. Schnell bekamen wir Töchterchen porentief rein, packten sie in ihr dickes Rhomtuft-Handtuch (haben wir nicht, aber ich finde den Namen so witzig!) und gingen zur nächsten Zeremonie über: der Babymassage. Das ist der Part, an der Mamas immer gerne das Zimmer verlassen, weil sie selbst nicht daran erinnert werden möchten, dass eine andere Frau im eigenen Haushalt nun mehr massiert wird, als sie selbst. Papas kann ich das sehr empfehlen! Es schafft Nähe zu eurem Kind, nimmt Mama Arbeit ab – und diese Massageöle sind unglaublich sanft zu eurer Haut, das solltet ihr echt einmal ausprobieren. Darauf erst mal ein Bier!


Was Mini Me allerdings grad gar nicht mag, ist von Papa angezogen werden. Wenn Mama das macht, kichert sie vor sich hin und streckt sich absichtlich aus ihren Anziehsachen raus: „Hehe, hättest Du gerne! Versuchs nochmal.“ Aber wehe Papa macht das. Ist ja nicht so, dass ich es gerade nicht mit gut zureden versuchen würde! „Sooo, jetzt ziehen wir Dir den Pulli über das Köpfchen und dann gaaanz langsam die kleinen Ärmchen da durch“, beginne ich vielleicht ein bisschen zu enthusiastisch grinsend das Abendritual. Töchterchens Unterlippe fängt bereits wie ein Wackelpudding zu beben an. „Ich glaub, ich muss gleich heulen“, sagt sie, „das erinnert mich an meine schlimme Kindheit!“ „Das IST Deine Kindheit“, brabble ich verständnislos vor mich hin, „und so schlimm ist sie nicht.“ „Ja, ich weiß, war nur so ein Spruch. Aber ich kann nicht anders als…“

Baby schmeckt es nicht

Erinnerungslücke

An dieser Stelle danke ich Marc-Uwe Kling für das Konzept der Erinnerungslücke, die sich einfach überall einsätzen lässt! Vor allem in der Vaterschaft sehr praktisch, um auch nach den größten Schreieskapaden 1. sein Kind noch sehr sehr lieb zu haben und 2. allen anderen Eltern zu berichten, was für ein ruhiges Anfängerbaby wir haben, das schon richtig durchschläft. Hah! Die Gesichter, priceless!

Aber ich schweife ab … ach ja! Mini Me lässt sich bei mir manchmal recht gut beruhigen, indem ich sie auf den Arm nehme. „Kannst Du mich bitte umdrehen?“, sagt sie. „Ach ja, ich vergaß, Du möchtest in meinem Arm nur nach vorne gucken. Ich bin Dir wohl zu hässlich?“, antwortete ich. „Teile meiner Antwort würden Dich nur verunsichern“, sprach Mini Me und widmete sich wieder dem Muster der Lampe vor ihr: „Finger bitte!“

Teil 2 der Operation „Silent Baby“ besteht nämlich daraus, dass sie sich meinen Finger schnappt und genüsslich darauf herumkaut. Das ist zwar echt schmerzhaft („Haha, der soll so ein Kind mal auf SEINEN Nippeln rumkauen lassen!“, ja ich weiß Mamas), aber solange es die Lütte beruhigt, ist mir das recht. „Hast Du mal die Wurzel ausprobiert?“, schallt es aus der Küche. Von dieser Haltung hatte ich noch nichts gehört, war mir aber auch ziemlich sicher, dass sowas nicht gemeint war.

Direkt kommt Frauchen mit etwas braunem, schrumpeligem ins Kinderzimmer geschossen und drückt es dem staunenden Männchen in die Hand: „Veilchenwurzel! Hilft beim Zahnen.“ Ich versuche Mini Me Gollums Zeigefinger in den Mund zu schieben. Kurz nuckelt sie dran, dann spuckt sie es aus. „Schmeckt als hätte da nen Hund draufgepinkelt,“ röchelt sie. „Du weißt noch gar nicht, was ein Hund ist“, antworte ich ihr schnippisch. „Soll ich wieder…“ „Schon gut!“

Mama wäre allerdings nicht Mama, wenn sie nicht locker lassen würde: „Du musst ihr das auch ein bisschen schmackhaft machen.“ Ok, Zeit das geballte Wissen sämtlicher Sales-Phrasen abzurufen, die mir je in Verkaufsgesprächen untergekommen sind. „Diese Veilchenwurzel ist sehr gut! Esst mehr Veilchenwurzel! Für jede Veilchenwurzel spenden wir einen Kasten Krombacher an durstige Väter. Veilchenwurzeln sind alternativlos!“ Gespannt schaut Mini Me mich an. Ein kurzer Blick, zu mir, zu Mama. Die nickt zustimmend. Dann beißt sie mir in den Finger. Wochenende!

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