Kreißsaalführung? Darum solltest Du eine machen

Kreißsaalführung? Darum solltest Du eine machen

„Kreißsaalführung?! Was soll das denn bringen?“, dachte ich mir das erste Mal, als ich von der Möglichkeit gehört habe, mir das Innere eines Krankenhauses mal genauer anzuschauen. Klingt nach Tourismus, wenig Spaß und vor allem nach zu viel Krankenhausflair. Am Ende war es wohl das Beste, was wir in Sachen Schwangerschaftsvorbereitung machen konnten. Ein Erfahrungsbericht.

Kreißsaalführung, was ist das?

Für viele Eltern verkommt die Suche nach dem richtigen Krankenhaus zur Entbindung fast schon religiösem Eifer gleich. Andere, wie wir, sehen das eher pragmatisch. Unseres war im Kölner Kontext gesehen „um die Ecke“, hatte einen guten Ruf und noch dazu zwei Freunde von uns, die dort arbeiten. Kein Grund also, sich da vorher unbedingt schlaumachen zu müssen – dachte ich mir.


Einer der üblichen Elternratgeber belehrte mich dann eines besseren: Aufgrund der aktuellen „Kinderflut“ solle man unbedingt eine Kreißsaalführung machen, um sich vorab im Krankenhaus anmelden zu können. Das klang wie Fuß in der Tür, eher nach Wohnungsbesichtigung als nach Kinderkriegen, nach Liege mit dem Handtuch reservieren, ehe man zum Frühstücksbuffet geht. Egal, kann nicht schaden!

Was nach Museumsausflug mit zahlreichen japanischen Touristen und erstaunten „Aaah“ und „Oooh“ klingt, ist eine recht feine Sache. Vor der Geburt bekommen Du und Deine Liebste die Möglichkeit, dem Oberarzt Fragen zu stellen, die Hebammen kennen zu lernen und sich bereits einen Wunsch-Kreissaal auszusuchen (sofern der dann bei der Fruchtblasenexplosion frei ist). Das Ziel: Die Tour soll helfen, Euch zu beruhigen, offene Fragen zu klären und Euch den Krankenhausalltag zu zeigen, damit Ihr Euch möglichst entspannt auf den Zeitpunkt der Geburt einstellen könnt. Hilft das wirklich? Für mich als Kopf- und Orgamenschen klang das auf jeden Fall nach der besten Medizin.

Und wie läuft so eine Kreißsaalführung jetzt ab?

Im Krankenhaus eingetroffen, wartete schon eine ganze Schar übereifriger und wissbegieriger Pärchen auf uns. Irgendwie kommt bei mir in solchen Fällen immer das kompetitive Ich zum Vorschein: „So, Ihr wollt also alle mit uns entbinden und den besten Kreissaal abstauben? Werden wir ja sehen!“ In der hauseigenen Kapelle ging es dann los mit dem Oberarzt Q&A.

Von Gehaltvoll bis „Ernsthaft?!“ war in Sachen Qualität die gesamte Bandbreite im Fragenpool vertreten. Ob man sich einen Parkplatz suchen müsse, wenn man mit der hochschwangeren Frau vorgefahren kommt, wie das mit Knöllchen aussehe (die Fragen kamen natürlich von den Männern), wie viele Familienzimmer es denn gäbe und ob man die vorher reservieren müsse (die kamen dann von den Frauen).


Eine Dame entpuppte sich als allgemeiner Stimmungskiller, indem sie gezielt Fragen dazu stellte, was denn bei einem Notkaiserschnitt passiere, wie das Krankenhaus auf lebensbedrohliche Situationen reagieren könne und wie denn so das Perinatalzentrum ausgestattet wäre. Starker Tobak, aber auch mit beruhigenden Antworten belohnt.

In dieser Hinsicht hat sich die Kreißsaalführung auf jeden Fall gelohnt: Es war einfach beruhigend! Der allgemeine Tenor der Antworten: „Wir kümmern uns. Das machen wir schon. Brauchen Sie sich keine Gedanken drüber machen.“ Auch auf meine Frage hin, ob ich mich denn nach der Geburt für die Geburtsurkunde aufs Amt schleppen müsse, hieß es „Das erledigen wir für Sie“ (Merkt Euch das, eine schöne Anekdote dazu folgt später mal). Der Besuch sollte für uns allerdings noch einen weiteren Mehrwert haben.

Raus damit!

Na gut! Gegen Ende der Tour ging es noch einmal in die verschiedenen Kreißsäle, Geburtsluft schnuppern. Anders als Ihr Euch das vielleicht vorstellt – oder aus amerikanischen Serien kennt – sind die Dinger wirklich modern eingerichtet, mit wechselndem Buntlicht, Audioanlage, Wanne zum Entspannen und für Wassergeburten. Je wohler sich Eure Frau den Umständen entsprechend fühlt, desto besser für sie, den Geburtsvorgang und auch das Baby. Außerdem lernten wir die diensthabenden Hebammen und Ärzte kennen, wussten also direkt, dass wir gut aufgehoben waren.

Und jetzt kommt’s! Nur zwei Wochen später, am gleichen Wochentag wie die Führung, kam es zu Komplikationen. Frauchen und ich nahmen das Auto ins Krankenhaus – wo bereits die Hebammen warteten, die wir zuvor kennengelernt hatten. „Na Euch scheint es hier ja gut zu gefallen“, war nur eine der auflockernden Spitzen, die wir an diesem Tag über uns ergehen lassen mussten. 😉

Wir wussten, wo jeder Kreißsaal war und wo wir hin mussten, wie die Abläufe aussahen und vor allem: dass wir uns um nichts kümmern mussten! Fazit: Eine Kreißsaalführung ist auf jeden Fall ein Erlebnis. Sie beruhigt Deine Nerven, stellt erste Kontakte mit dem Krankenhaus her und kann, gerade wenn etwas Unerwartetes im Vorfeld geschieht, von unschätzbarem Wert sein. Du solltest Dir die Gelegenheit also nicht entgehen lassen.

Noch keine Kommentare vorhanden.

Was denkst du?

© 2018 Freaking Dad | Papa Blog & Podcast